Was sagen mir die Kreatininwerte?

 
Wird vom Arzt oder der Ärztin ein Blutbild erstellt, gehört die Kontrolle der Kreatininwerte genauso dazu wie die Überprüfung des Blutcholesterins und des Blutzuckers.

Während aber nahezu jeder Patient weiß, wie hoch Blutdruck und Blutzucker sein sollten, sind die Kreatininwerte in der Regel für Laien wenig aussagekräftig: Was steckt also dahinter und wann ist dieser Marker ein Indiz für eine ernst zu nehmende Erkrankung?

Kreatininwert: Was ist das überhaupt?

Kreatinin (oder Creatinin) ist ein Abfallprodukt des menschlichen Stoffwechsels. Es entsteht in erster Linie bei der Verstoffwechselung von Kreatin (oder Creatin): Dieses ist als Allrounder im Protein- und Energiestoffwechsel an einer Vielzahl von Prozessen beteiligt und sorgt primär für die konstante Bereitstellung von Energie. Kreatin wird dem Organismus bei einer ausgewogenen Ernährung vor allem durch Fleisch- und Fischprodukte zugeführt und findet als Nahrungsergänzungsmittel bei Kraftsportlern großen Zuspruch. 

Genau während der Energiegewinnung kommt es im Rahmen chemischer Prozesse zur Freisetzung von Kreatinin. Da der menschliche Metabolismus Kreatinin nicht verwerten kann, wird es im weiteren Verlauf durch die Nieren und letztlich über den Urin wieder ausgeschieden.

Hohe Kreatininwerte oder niedrige Kreatininwerte?

Bei richtigem Verständnis wird deutlich, dass die Höhe der Kreatininwerte von mehreren Faktoren abhängig ist bzw. beeinflusst wird:
  • Nahrung: Relevant ist hier vor allem die Menge an aufgenommenem Fleisch und Fisch und die Menge an sonstigem zugeführtem Eiweiß. Entscheidend ist hier die Summe des täglichen Intakes, der vor allem bei extremer Supplementierung diverser Nahrungsergänzungsmittel (z. B. Proteinpulver) enorme Dimensionen einnehmen kann.
  • Muskelmasse: Je größer der Anteil an Muskelmasse, desto mehr Kreatin kann der Stoffwechsel zur Energiegewinnung heranziehen – und desto mehr Kreatinin als Nebenprodukt wird über die Nieren ausgeschieden. Es ist daher zwangsläufig und naheliegend, dass gut durchtrainierte, sehr muskulöse Menschen automatisch höhere Kreatininwerte aufweisen als sogenannte Couch-Potatoes: Der Kreatininwert steigt proportional mit der Zunahme an Muskelmasse. Ärzte wissen um diesen Zusammenhang – daher gehört die Frage nach sportlichen Aktivitäten zur ärztlichen Anamnese und dient bei erhöhten Kreatininwerten als Erklärung der Marker, sofern keine weiteren Erkrankungen anzunehmen sind.
  • Geschlecht: Da Männer grundsätzlich über einen höheren Anteil an Muskulatur verfügen, sind auch die Kreatininwerte grundsätzlich höher als bei Frauen in vergleichbarer körperlicher Verfassung. Achtung: Auch eine Schwangerschaft sorgt dafür, dass der Kreatininwert sinkt.
  • Funktionsfähigkeit von Leber und Nieren: Erhöhte Kreatininwerte können natürlich immer auch Fehlfunktionen von Leber und Nieren indizieren. Wie gezeigt ist ein hoher Kreatininwert aber kein Alleinstellungsmerkmal von Erkrankungen, sodass es bei Verdacht auf pathologische Vorgänge immer weiterer Untersuchungen bedarf.

Es gibt demnach keinen universell gültigen Kreatininwert. Er ist vielmehr abhängig von zahlreichen Rahmenbedingungen, die bei einer sinnvollen Bewertung ebenfalls in Betracht gezogen werden sollten. Losgelöst davon gelten jedoch Referenzwerte, die in Abhängigkeit von Methode und Technik einen festen Rahmen vorgeben. Dieser liegt bei Frauen zwischen 0,5 und 0,9 mg und bei Männern 0,5 und 1,1 mg pro Deziliter.

Diagnose: Zu niedrige Kreatininwerte

Ein unterhalb der Referenzwerte liegender Kreatininwert kann – wie oben gezeigt – vor allem durch fehlende oder geringe Muskelmasse hervorgerufen werden. Hier kommt es durch wenig stoffwechselaktive Prozesse zu einer reduzierten Verwertung von Kreatin und infolgedessen zu wenig Bildung von Kreatinin. In einer Vielzahl von Fällen können niedrige Kreatininwerte auch die Begleiterscheinungen von Medikamenten sein: Hierzu ist ein Blick in den Beipackzettel hilfreich. 

Gesundheitlich haben Kreatininwerte, die unterhalb des Referenzbereiches liegen, keine Relevanz: Sie liefern lediglich ein Indiz und sind darüber hinaus nicht selbstständige Auslöser von Beschwerden oder Krankheiten.

Diagnose: Zu hohe Kreatininwerte

Ein überhalb des Referenzbereiches liegender Kreatininwert kann durch völlig unterschiedliche Ursachen hervorgerufen werden (s.o.). Während niedrige Kreatininwerte medizinisch keine negativen Folgen begründen, sind hohe Kreatininwerte oft deutliche Indizien für weitergehende Erkrankungen. 

Besonders relevant sind in diesem Zusammenhang Erkrankungen der inneren Organe wie Leber und Nieren, die unmittelbar an der Entstehung von Kreatinin beteiligt sind. Dementsprechend äußert sich eine Nierenfehlfunktion immer primär über einen hohen Kreatininwert: Neben bildgebenden Diagnoseverfahren wie Ultraschall, MRT und Szintigrafie bietet der aus dem Blutplasma gewonnene Kreatininmarker daher eine zuverlässige Möglichkeit der Diagnostik. Da Nierenerkrankungen oft unbemerkt verlaufen und erst in fortgeschrittenem Zustand subjektiv feststellbare Beschwerden verursachen, ist die standardisierte Erhebung im Rahmen von Blutuntersuchung sinnvoll und richtig.

Kreatininwerte auf natürlich Weise senken

Sollten die Kreatininwerte nach Ausschluss von Organerkrankungen dauerhaft zu hoch sein, können – neben medikamentöser Behandlung – auch natürliche Methoden zur Senkung des Kreatininwertes beitragen:

  • Protein-Intake: Die gesamte Menge des aufgenommen Eiweißes kann – vor allem bei Einsatz von sportlichen Supplements das Maß der gesunden und förderlichen Menge deutlich überschreiten. Auch extremer Fleischkonsum sorgt für ein Zuviel an Protein – wer also seinen Kreatininwert senken möchte, sollte hier die Menge nach unten korrigieren. 
  • Phosphor-Intake: Lebensmittel mit hohem Phosphor-Gehalt sorgen für eine enorme Belastung der Nieren. Bei hohen Kreatininwerten ist das eine unglückliche Kombination und sollte nach Möglichkeit vermieden werden.
  • Natrium-Intake: Viel Natrium führt zu gesteigerter Einlagerung von Wasser in das Gewebe und infolgedessen zu hohem Blutdruck – beides ein direkter Auslöser für hohe Kreatininwerte. Daher ist ein Verzicht auf natriumreiche Lebensmittel nicht nur im Hinblick auf erhöhte Kreatininwerte, sondern auch im Hinblick auf die allgemeine Gesundheit wünschenswert.
  • Kalium-Intake: Bei einer Fehlfunktion der Nieren kann der Körper Kalium nicht optimal verstoffwechseln. Dies kann zu einer Anreicherung im Gewebe führen – daher bei hohen Kreatininwerte kaliumreiche Lebensmittel reduzieren und auf andere Produkte ausweichen.
  • Heiltee: Bestimmte Kräuter senken schonend den Kreatininwert, indem sie die Nierentätigkeit anregen und so vermehrt Stoffwechselprodukte ausgeschieden werden. Besonders empfehlenswert sind in diesem Zusammenhang Brennnesseltee und ein Sud der Löwenzahnwurzel.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Wie gezeigt, sorgt Kreatin für einen Anstieg der Kreatininwerte. Gerade bei Sportlern ist die Supplementierung mit Kreatin beliebt und wird fast durchgängig beibehalten. Sollten die Kreatininwerte auch nach Berücksichtigung anderer Gegenmaßnahmen dauerhaft zu hoch sein, muss eine Beendigung der externen Kreatinzufuhr in Erwägung gezogen werden.

Neben den genannten Maßnahmen ist eine Maßnahme als Erste-Hilfe-Möglichkeit immer gegeben: Viel trinken! Wenn dem Körper nicht genug Wasser zur Verfügung steht, kann er auch nicht genug Urin produzieren, um Abfallprodukte herauszuschwemmen. Daher an die allgemeinen Empfehlungen halten und täglich darauf achten, dass der Flüssigkeitshaushalt ausgeglichen ist. 

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